Winzige Pfote ermittelt – "…im Bann des Kuchenschrecks" Teil 1 (2)

„Liebe Leserinnen und Leser,

in der letzten Ausgabe habe ich mich Dir kurz vorgestellt und Dir einen ‚winzigen‘ Einblick in meine Berufung als Nachbarschaftsermittler aus Hafergut gegeben, dabei habe ich dort angefangen zu berichten, wo es dereinst mit der Spürnase winzige Pfote seinen Anfang nahm, nämlich mit meinem Jagdhund Pfote, den ich über Umwege und mit einigen Tränen vom roten Schausteller Balomil erhielt, nachdem mein lieber Opa, Dieter Winzig, für seinen Enkel an einem seiner bittersten Tage in die Bresche gesprungen war und Pfote befreit hatte.

Apropos – in einem meiner späteren Fälle werde ich auf eben jenen Balomil derweil zurückkommen und, um auf die Frage eines eifrigen Lesers der letzten Ausgabe zu antworten, auch auf die zwei Hunde zu sprechen kommen, die ich damals als Twien vorerst bei ihrem gewalttätigen Herrchen zurücklassen musste.

Aber zurück zur Geschichte, die ich Dir heute erzählen möchte.

Es begab sich zu der Zeit, als ich gerade damit begonnen hatte, meinem Pfote beizubringen, Sitz und Männchen zu machen und ich war nicht besonders gut darin, jemandem, gar einem Hund, etwas beizubringen, zumal mir die Möglichkeiten, ein Tier mithilfe körperlicher Gewalt zu erziehen, völlig fern lagen und ich meinem Pfote unter gar keinen Umständen dasselbe Leid antun wollte, aus dem ich ihn hatte befreien wollen.

Von Tag zu Tag wuchs unsere Zuneigung für einander und bald waren wir tatsächlich unzertrennlich. Wir durchstreiften gemeinsam die umliegenden Hügel, Wiesen und Auenlandschaften, die um Hafergut herum lagen und übten uns im Fährten- und Spurenlesen einiger kleinerer Wildtiere wie beispielsweise von Hasen, Eichhörnchen, Dachsen, Rehen und sogar einem Rotfuchs, nur zum Zeitvertreib.

Hast Du schon einmal einen Hirsch friedlich bei der Tränke gesehen, gerade dann, wenn die Dämmerung sich legt und die Sonne aufsteigt? Ein herrlicher Anblick ist das gewesen, den ich mir, trotz der vielen Jahren, die bereits seither vergangen sind, im Gedächtnis bewahrt habe.

Wir jagten diese Tiere auch nicht, sondern uns beiden war es eher daran gelegen, Dinge aus sicherer Entfernung beobachten zu können oder im Unterholz Tiere aufzuspüren und dabei einfach stille Teilhaber an der Natur und ihrer Schönheit zu sein.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich dort, versteckt in den Farnengewächsen nahe der alten Scheune von Andi Tiefbrunn dem Hecheln von Pfote lauschte und auf die Idee kam, uns beide als ‚Spürnasen‚ zu bezeichnen.

Aber bitte keine falschen Erwartungen, das war noch nicht der Auftakt für die winzige Pfote als Nachbarschaftsermittler zu ’schnüffeln‘, es war eher ein erster Funke, Pfote und mich als Einheit zu betrachten und so etwas muss ja schließlich erst mit der Zeit heranwachsen, wie das Pilzgeflecht im Schieferntornwald, welches sich langsam an den Wurzeln einer knorrigen Kiefer verzweigt.

Wobei ich in diesem Beispiel wohl die alte Kiefer wäre und Pfote….naja, lassen wir diesen mitunter merkwürdigen Vergleich.

Zurück zu unserem ersten Fall.

An diesem schönen Tag mit herrlichstem Sommerwetter geschah es, plötzlich schrie Grete Zwilber entsetzlich, ihr furchtbar lauter Aufschrei ließ die friedliche Ruhe, die zuvor in unserem Dickicht geherrscht hatte, unmittelbar zerreißen und Pfote schreckte sofort auf und ich tat es ihm mit leichter Verzögerung gleich, auch wenn ich mich natürlich sehr schwerfällig und langsam bewegte, als mein aufmerksamer Freund.

Ich verlor keinen weiteren Gedanken mehr an die aktuellen Beobachtungen der umliegenden Natur, schließlich hatte Grete laut aufgeschrien, wer weiß, vielleicht hatte sie sich bei der Gartenarbeit verletzt? Sich beim Möbelrücken verhoben? Oder aber einfach zu viel Salz in die Suppe gerieben? Ich würde es herausfinden, das wusste ich.

So liefen Pfote und ich flink das kleine Waldstück herunter, an der Scheune von Andi Tiefbrunn vorbei und waren in wenigen Augenblicken, zumindest gefühlt, im Vorgarten von Grete Zwilber angekommen.

Die resolute Hobbit hatte sich wohl etwas beruhigt, als wir sie vor ihrer Smialstür stehen sahen, aber sie schüttelte enttäuscht ihren Kopf und war sehr blass im Gesicht.

FiproFrau Zwilber, was ist denn passiert? Ich habe Euch eben schreien gehört und kam sofort mit Pfote herbei geeilt, um hier nach dem Rechten zu sehen?

Grete Zwilber: „Ach, der kleene Winzig, das ist lieb von Dir, aber wenn Du nicht zwei geschickte Hände im Backen hast oder die Zeit zurückdrehen kannst, fürchte ich, wirst Du mir leider nicht weiterhelfen können mein Junge.“

Fipro: „Nun, mit beidem kann ich wohl leider nicht dienen, allerdings weiß ich auch nicht, worum es hier genau geht, Frau Zwilber?“

Grete Zwilber:Ich habe doch heute gerade erst zum allerersten Male meine neue Kreation ausprobiert, die doppelstöckige Marzipantorte mit zusätzlicher Mandelcremefüllung und weißen Schokoraspeln oben drauf. Ich hatte sie gerade zum Abkühlen auf mein Fenstersims gestellt, so wie immer.“

Fipro: „Und als Ihr gerade für einen Augenblick nicht hingesehen habt, war die Torte verschwunden?“

An dieser Stelle möchte ich als Autor vermerken, dass mir beim Schreiben dieser Zeilen wieder das Wasser im Mund zusammenläuft. Genauso wie damals, verspühre ich auch jetzt wieder eine besondere Schwäche für alles, was aus Marzipan gemacht ist, oh weh, alleine damit hätte mich die alte Zwilber damals aus der Reserve locken können, ihr sofort helfen zu wollen.

Aber zurück zum Dialog.

Grete Zwilber:Ganz genau, ich hatte gerade nach den Resten der Schlagsahne in der Küche gesehen und die Stube mit dem großen, geöffneten Fenster zum Waldstück deshalb verlassen. Als ich dann wieder dorthin zurückkehrte, sah ich bereits, dass die Marzipantorte auf dem Fensterbrett verschwunden war, eben genau dort, wo ich sie nur wenige Augenblicke zuvor abgestellt, ich schrie in meiner Verzweiflung….

Fipro:Aber es ist doch ‚nur‚ eine Torte, Frau Zwilber….

Heute weiß ich, dass ich diese Worte damals wohl hätte ihr gegenüber nicht aussprechen sollen, denn augenblicklich verfinsterte sich die Miene von Grete Zwilber und Sie ließ mich im nächsten Momen spüren, wie wichtig ihr diese Angelegenheit doch war:

Grete Zwilber:Mein kleiner, winzige Bengel, was glaubst du eigentlich, wieviel Arbeit und Zeit ich in die Vorbereitungen des Bürgermeisterfestes nächste Woche gesteckt habe? Jetzt kann ich diese Torte noch einmal backen und dabei habe ich kaum noch ausreichend Zutaten dafür vorrätig. Das ist eine einzige Katastrophe gerade! Und dann kommst noch du mit solchen Worten daher!“

Fipro:Vielleicht kann ich Euch dabei helfen, Eure Torte zu retten?

Frau Zwilber belächelte meinen Vorschlag zunächst und fragte sich wohl eher, inwiefern ich das könne. Aber Marzipan, nun ja, das weiß doch jedes Kind, das Marzipan nach Mandel riecht. Und wer kann besser riechen als mein Pfote? Niemand.

Also schlug ich vor, ob Pfote vielleicht einmal kurz an der Rührschüssel der Torte schnuppern dürfe, die sich ja noch in der Küche vom Smial befand. Skeptisch ließ mich die alte Zwilber in ihre Küche treten, nicht ohne mir die schmutzigen Schuhe abzutreten und Pfote seine Pfoten sauber zu machen.

Gesagt getan – als wir uns daran machten, die Küche des Smials aufzusuchen, ließ ich meinen Pfote sodann an der weißen Rührschüssel schnüffeln und er leckte auch ein bisschen von den Resten der Mandelcremefüllung, die sich daran befand. Das war mit Sicherheit ein besonderer Genuss für ihn, den Frau Zwilber mit einem bösen Blick quittierte.

Plötzlich aber wedelte Pfotes Schwanz aufgeregt hin und her und ich wusste, dass er soebend eine Spur aufgenommen hatte.

Fipro: „Such Pfote, such….“

Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, preschte mein kleiner Pfote aus der Küche davon und aus dem Smial hinaus, ich hatte wirklich große Mühe, ihn geschwind einzuholen und Frau Zwilber blieb verdutzt im Türrahmen ihres Smials stehen und sah uns beiden argwöhnisch nach. Ob Sie uns vielleicht nachträglich verdächtigt hatte?

Doch wohin führte mich mein Pfote?

Das erfährst Du in der nächsten Ausgabe genau an dieser Stelle, wenn es mit dem zweiten Teil meines ersten Falles weitergeht. Bis dahin wünsche ich Dir eine schöne Zeit und bleib sauber!

Fipro Winzig für den Auenland Boten

4 Gedanken zu „Winzige Pfote ermittelt – "…im Bann des Kuchenschrecks" Teil 1 (2)

  1. Hui, das is ja spannend!
    Jammi, Mampfelcremetorte, lecker. Uiuiui, was wohl passiert war mit der Torte. Man sollte Hunde immer an den Sachen lecken lassen von denen die die Spur aufnehmen sollen, dann geht das viel besser, oja!

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  2. So etwas! Gleich eine ganze Torte zu stibitzen, ist schon eine Gemeinheit.
    Aber Pfote soll schön vorsichtig sein. Mit Tortendieben ist nicht zu spaßen.

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