Auenland-Legenden

Heute: Beuwulf und Grummel

Wie Leser des leider eingestellten Auenländer Wochenblattes noch wissen können, hat es mich ins Auenland verschlagen, weil ich in Imladris durch zahlreiche Schriften auch über die Hobbits für mich entschied, dass dieses friedliche Volk, dem ich in meiner Jugend in Bree kaum Aufmerksamkeit schenkte, meiner Aufmerksamkeit mehr als wert ist.

In der Bibliothek des Letzen Heimeligen Hauses findet sich auch so manche Schrift über Sagen und Legenden der freien Völker Mittelerdes.

Bei der Lektüre dieser Werke, die teils sehr kurzweilig sind, stieß ich auf eine Legende, die ich kaum glauben konnte. Es handelte sich um die von Beuwulf, in jüngeren Schriften auch Beuwurf genannt, die aber so fantatisch und in meinen Augen unglaubwürdig war, dass ich dieser nicht viel Beachtung schenkte, außer einem ungläubigen Lächeln, dass ich nun in Anbetracht neuerer Erkenntnisse revidieren muss.

Alles begann mit einem Brief an den Auenland Boten, der auch eine Zeichnung enthielt.

Jemand will einen „Beuwurf“ auf einer Wiese nahe Wasserau gesehen haben. Mit einer dicken Brille auf der Nase und seltsamerweise mit einer Zwipfelmütze bekleidet, schaufelte es in die Wiese lauter kreisrunde Löcher, die selbst wiederum in konzentrischen Kreisen um ein großes kreisrundes Loch angeordnet waren.

Nach Auskunft kundiger Tierforscher muss es sich dabei um den legendären Beuwurf handeln, der seit Mitte des zweiten Zeitalters in Mittelerde als ausgestorben galt.

Daher möchte ich Euch heute alles mitteilen, was mir von der Legende des Beuwulf und des Grummel in Erinnerung geblieben ist. Sicher könnt Ihr in Imladris mehr darüber erfahren.

Die Schriften bestätigen jedenfalls, dass Beuwurfs früher auch Beuwulfs genannt wurden, da ihr Rudelverhalten dem von Wölfen recht ähnlich gewesen sein soll. Der Legende nach waren Beuwulfs vor allem für ihre Jagd auf das sogenannte Grummel bekannt, ein bogüverschlingendes Ungeheuer der bockländischen Fabelwelt.

Angeblich lebte das Grummel nahe Krickloch im Alten Wald und kam alle 15 Sommer hervor, um einen Hobbit, der ungezogen war, zu verspeisen. Deshalb behängen viele Bockländer, die dem Aberglauben verfallen sind, ihre Smialtüren alle 15 Jahre mit selbst gefertigten Talismanen, die einer Kette gleichen. Auf den kleinen hölzernen Kettengliedern ist eine bebrillte Zwipfelmütze eingeschnitzt, die als Erkennungszeichen des Beuwulfs gilt. Angeblich holt das Grummel keine Hobbits aus den Smials, die mit diesen sonderbaren Zeichen Beuwulfs markiert sind, da es Angst vor Beuwulf hat.

Diese alte Legende wird teils bestätigt durch neuere Gerüchte, die in dem genannten Schreiben näher ausgeführt wurden.

So wird behauptet, dass ein gewisser Beuno Willowtree versehentlich von vielen Bockländern als Nachfahre eben jenen Beuwulfs angesehen wird, ab und an sollen sich einige Erdhaufen vor Beunos Smialstür auftürmen, angeblich von besorgten Bürgern dort aufgeschichtet, die glauben, dass der Nachfahre Beuwulfs Hilfe in Form von Erde bei seinem Kampf gegen Grummel braucht.

Auch wird gesagt, dass eben jener Beuno alle 15 Jahre Bockland absichtlich verlässt, weil es ihm unangenehm wäre, von vielen Hobbits auf die Grummel-Thematik angesprochen zu werden und er in diesen Jahren kaum eine ruhige Minute im Bockland hat, da alle die wahre Geschichte vom Grummel erzählt bekommen wollen. Angeblich wäre es so, dass fast fünfzehn Jahre vergangen sind seit das Grummel das letzte Mal umging, und das Saradoc Brandybock panische Angst vor dessen nächstem bevorstehenden Erscheinen hat. Aus diesem Grund soll er über die Bewaffnung der bockländischen Grenzer nachgrübeln. Angeblich möchte er das Hrunting einführen, die traditionelle Waffe der Beuwulfs, das aus einer angespitzten Pastinake geschmiedet wird.

Aus alten Schriften ergibt sich, dass das Hrunting die einzige Waffe ist die dem Grummel schaden kann. Herkömmliche Waffen schmelzen sofort wenn sie mit dem kochenden Käse in Berührung kommen der durch die Adern des Grummels fließt.

Man könne sich jedoch dadurch retten, dass man, falls grade kein Hrunting zur Hand ist, das Grummel dadurch verwirren kann, Erdhaufen auftürmt.

Laut des Schreibens sei dies im Bockland bekannt und der Grund dafür wird kontrovers diskutiert und ist ein beliebtes Thema in den Bockländer Gasthäusern.

Angeblich, so der Unbekannte, der uns das Bild des Beuwulfs zukommen ließ, habe Saradoc Brandybock unweit des Brandywine-Schlosses verkünden lassen, dass, wenn es soweit kommen sollte, Beuno Willwotree die mit Hruntings bewaffneten Grenzer in Bockland anführen soll, da er als rechtmäßiger Nachfahre des letzten lebenden Beuwulfs gelte und deshalb ideal für diese Rolle geeignet sei. Dies habe dazu geführt, dass die Bockländer sich neuerdings auf die linke Schulter klopfen und die Augen dabei schließen, wenn sie Beuno über den Weg laufen, da sie denken, er würde sie dann eher vor Grummel beschützen.

Die offenbar im Bockland eingetretene Grummel-Hysterie, führe dazu, dass behauptet wird, Beunos Familienwappen wäre eine bebrillte Zwipfelmütze und dass neugierige und wissbegierige Bockländer überall im Auenland Nachforschungen darüber anstellen würden, um Beweise für diese Theorie zu finden, weswegen Großsmial in Buckelstadt dieser Tage aufgrund der sich im Umlauf befindenden Gerüchte von fragenden Hobbits aller Winkel belagert würde.

Offensichtlich werde auch erzählt, dass der wahre Grund dafür, warum man während der Grummel-Zeit keinen Willowtree im Bockland antrifft, ist, dass die Familie in Wahrheit keine Hobbits, sondern Beuwulfs sind und sie alle 15 Jahre ausziehen, um das Grummel zu jagen und – je nachdem wen man fragt – im Anschluss in einem Kessel mit Pastinakeneintopf so lange kochen, bis der Käse im Grummel neutralisiert ist.

Laut dem unbekannten Schreiber würde auch behauptet, dass wenn man während der Grummel-Zeit im Alten Wald eine Rauchfahne sieht, man schnellstmöglich umkehren sollte. Legenden besagen, wer den Beuwulf beim Kochen erblicke, wird bis in alle Ewigkeit – oder zumindest bis zum nächsten Frühstück – in eines seiner zwei Meter großen Jagdbogüs verwandelt.

Nun, ich muss dazu sagen, dass ich diesen Punkt in den Schriften des zweiten Zeitalters nicht bestätigt gefunden habe.

Der Behauptung, dass es gar keinen Beuwulf gibt und das alles die Erfindung einer Gruppe junger Hobbits ist, die zu viel Pastinakenbier bekommen haben, kann ich nur energisch widersprechen, da die alten Schriften eindeutig belegen, dass es einen solchen gab und weil mir bei meiner Besichtigung des Mathomhauses in Michelbinge ein etwa zweihundert Jahre alter Teppich ins Auge fiel, der eine Art übergroßen Maulwurf zeigte, der eine Brille und eine Zwipfelmütze trägt. Herr Brombard erklärte mir seinerzeit, dass ein bekannter Bockländer versucht haben soll, denselben käuflich zu erwerben.

Schauen wir uns einmal an, was es an gesicherten Tatsachen gibt.

In alten Schriften ist die Rede von einem Monster namens Grummel. Dieses Grummel sei durch ein Wesen namens Beuwulf – in neueren Schriften Beuwurf – gejagt worden, das in allen Schriften übereinstimmend als übergroßer Maulwurf bezeichnet wird, der eine Brille und eine Zwipfelmütze trägt. Dieser Beuwulf habe eine spezielle Waffe geführt, das Hrunting, laut der alten Schriften, eine in Silber eingegossene Pastinake. Das Grummel habe seinerzeit, als die Hobbits noch in den Schwertelfeldern lebten, erhebliche Opfer gefordert und sei aber immer wieder erfolgreich vom Beuwulf vertrieben worden.

Alles andere sind für mich, mit Ausnahme des Teppichs, unbestätigte Gerüchte, die auch dadurch entstanden sein können, dass ein Nachfahre des Beuwulf den Weg in das Auenland gefunden zu haben scheint. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass es das Grummel auch noch geben muss.

Wie Gerüchte so sind, wird viel zu den Tatsachen hinzu fabuliert und entstellt und damit auch Panik geschürt.

So wird auch erzählt, dass in ganz Bockland eine „Käse-Panik“ ausgebrochen sei und die Grenzer damit beauftragt worden sind, sämtlichen Käse dort zu konfiszieren und auch aus den Geschäften zu holen. Die am Waldrand lebenden Bockländer verbreiten das hartnäckige Gerücht, dass das Grummel von Käse angelockt wird und auf der stetigen Suche danach sei.

Wohingegen die am Brandywine wohnenden Bockländer dieses Gerücht für „Käse“ halten und stattdessen behaupten, Käse sei die „Geheimwaffe“ des Grummel und würde einem Beuwulf sehr schaden, deshalb behaupten diese Bockländer, dass man sämtlichen Käse aus Bockland verschwinden lassen müsse, um Beuno im Kampf gegen das Grummel zu unterstützen.

Angeblich sei gesehen worden, dass einige besorgte Bockländer mit Pinsel und rotem Farbeimer das Bockland auf der Suche nach dem Wort „Käse“ durchstreifen und dieses überpinseln, damit das Grummel nicht unnötigerweise provoziert wird.

Angeblich beginnen manche belesene Hobbits aus Bockland bereits damit, das Wort „Käse“ aus den Büchern durch andere nahe verwandte Wörter zu ersetzen, am beliebtesten ist wohl das Wort „Hüstel“ anstelle von „Käse“, dicht gefolgt von „Fröstel“ und „Husten“.

Es soll sogar so weit gehen, dass sämtliche Käselieferungen nach Bockland gestoppt werden, da in der Nähe von Krickloch „Straßensperren“ errichtet worden seien, die die Waren auf den Karren durchsuchen und Käselieferungen nicht nach Bockland lassen.

Nun, ich habe bei meinem letzten Besuch im Bockland im Brandyschloß hervorragend gegessen, es gab unter anderem ein Käsesoufflé, soviel dazu.

Also macht Euch nicht zu viele Sorgen, meine lieben Auenländer. Der Käse wird nie so heiß gekocht, wie er gegessen wird.

Idda Goldkerze für den Auenland Boten

13 Gedanken zu „Auenland-Legenden

  1. Nachdem mein Hustenanfall nach Lesen dieses Berichts endlich wieder abgeklungen ist, kann ich nur bestätigen, dass es solche Berichte und Legenden, natürlich gibt, die Grummel, Beuwurfs und -wulfs, aber schon lange ausgestorben sind. Die frischen Munkeleien über den ‚Beuwurf‘, kann ich ebenfalls entkräften: Ich war neulich fühmorgens, am Wasserauer See, am Regenwurmsuchen für mein Angelhobby und hatte dafür an mehreren Stellen am Ufer, einige Löcher gegraben und Erdhügel aufgehäuft. Dabei hatte ich auch, wie immer, meine ‚Wurmsuch-Augengläser‘ auf, damit ich die nützlichen Kriecher überhaupt entdecken konnte. Ich muss wohl dabei, im Morgennebel, von jemanden beobachtet worden sein, der dann dieses Gerücht über einen angeblichen ‚Beuwurf‘ in die Welt gesetzt hat! Eine ganz einfache Erklärung also. 🙂 Ansonsten aber, ein wunderbar geschriebener Artikel, der viele Wahrheiten enthält und eine tolle Exkursion in die bockländer Historie darstellt! 😀

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    1. Ich wußte immer schon, daß Herr Beuno etwas zu verbergen hat. Nun ist es klar: Er ist ein Beuwurf! Daß mir das nicht schon früher aufgefallen ist!

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  2. Seltsam ist nur, daß ich letzte Woche nahe der Bockenburger Fähre an einer Hauswand in anderthalb Fuß hohen Lettern aus geschmolzenem Käse (Blauschimmel, dem Geschmack nach) die Worte „BIRNHAGG IS DA NECHSTE“ sah. Ob da ein Zusammenhang besteht?

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  3. Ohje, ohje … Aber mal gaaanz ehrlich, da gibt es schon eine sehr große Ähnlichkeit zwischen dem Bild aus dem Mthomhaus und einem gewissen Zwipfelträger, der ja auch noch Pastinakenliebhaber ist … Ich will ja hier keine Namen nennen und Hobbits verunglimpfen … *schielt unauffällig zu Beuno rüber* … aber besagter Zwipfelträger hasst Käse in solcher Weise, dass er sich nieeee einem Grummel in den Weg stellen würde. Und das Pastinaken Käse neutralisieren sollen, halte ich schlichtweg für ein Gerücht.
    Da denke ich eher, dass besagter Zwipfelträger die Käselieferung sabotiert, um käsefreie Zonen zu schaffen, in denen er sich wohlfühlen kann.

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  4. Herrlich Idda! Das sind fantastische Neuigkeiten, da bin ich schon gespannt, ob Beuno tatsächlich einer von den Beuwulfs ist…*lacht laut*

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  5. Pff die Spinnen doch die Bockländer. Ich wage es nun einfach mal Das-Wort-das-nicht-genannt-werden-darf auszusprechen: Käääseeeeee.

    Ja wo ist nun das Grummel? Ich sehs nicht. Alles humbug wenn ihr mich fragt jaja.

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        1. Ich sagte ja nicht, dass die Legenden unwahr sind, nur, dass die letzte Sichtung wohl auf meine Wenigkeit gemünzt war, liebe Mai! 😉

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