Essen wie ein Hobbit …

Muhme Seburga plaudert aus dem Nähkästchen

Huhu liebe Leser! ich bin mit neuen Geschichten von meiner Oma zurück. Jetzt im Winter sitzt sie abends oft am Kamin, erzählt aus ihrer Zeit als junge Mutter zweier frecher Hobbitjungs und gibt ihre Weisheiten weiter. Das muss ich jetzt ausnutzen! Denn im Frühjahr und Sommer ist Oma wieder bis zum Sonnenuntergang in ihrem Garten. Wenn dann jemand herumsteht und nicht hilft, wird sie fuchsteufelswild.

Meine lieben jungen Hobbits, beim letzten Mal habe ich von der Liebe geschrieben. Da die bekanntlich auch durch den Magen geht, will ich dieses Mal etwas zum Essen schreiben und mit dem hartnäckigen Gerücht aufräumen, dass wir Hobbits zu viel und zu fett essen. Manche vom Großen Volk behaupten sogar, wir wären verfressen. Was für Ignoranten!

Wenn wir uns in einem beliebigen Dorf im Auen- oder Bockland umschauen, was sehen wir dann? Richtig! Rundum wohlgenährte, gesunde und gut gelaunte Hobbits. Die meisten von uns sind Landwirte oder Handwerker und wer viel arbeitet, soll auch gut essen, heißt es.

Hobbits stehen meistens bei Sonnenaufgang auf und nehmen dann ein leichtes Frühstück, bestehend aus frischem Brot, guter Butter, Obst, selbstgemachten Konfitüren und etwas Wurst oder Speck, ein. So früh am Morgen wird als Trunk gern ein Kräutertee oder klares Wasser gereicht. Oder ein braunes Gebräu aus Gerstenmalz und Zichorie – Kaffee genannt -, das heiß getrunken wird. Damit haben sie eine Grundlage für ihr beginnendes Tagwerk gelegt.

So ein Frühstück hält naturgemäß nicht lange vor, deshalb lieben wir Hobbits, das zweite Frühstück, welches meistens in geselliger Runde gegen halb Neun am Morgen eingenommen wird. Hier werden gerne Fisch, Pilze, gebratene Töften und Eier in jedweder Zubereitungsart verspeist. Dazu trinken wir gern Milch oder ein leichtes Bier. Außerdem wird dieses Mahl, das meistens etwas länger dauert, für den Austausch von Neuigkeiten und Klatsch genutzt.

Wer jemals gesehen hat, wie emsig und gut gelaunt wir Hobbits nach diesem zweiten Frühstück wieder an die Arbeit gehen, weiß, dass Hobbits gesund leben. Von Völlerei ist hier keine Spur!

Nach etwa zwei Stunden Pflügen auf dem Felde, Arbeiten in der heißen Schmiede oder Mehlsäcke aus der Mühle schleppen, ist es Zeit für einen Imbiss. Hier muss eine dicke Scheibe weiches weißes Brot mit Auenländer Butter und eine Wurst oder eine Speckseite reichen, denn das Mittagsmahl ist nicht mehr fern. Ein anständiger Hobbit trinkt jetzt auch nur einen Becher frisches Quellwasser. Jawohl!

Nun zum Mittagsmahl. Hier wird meistens eine leichte Gemüsesuppe je nach Saison aus Auenländer Spargel, weißen Rübchen, Karotten, Töften oder Kürbis und weiteren Gemüsen gereicht. Diese darf auch mit einer Einlage aus frischen Krebsen aus der Wässer oder kross gebrutzeltem Speck versehen sein.

Als zweiten Gang bevorzugen wir Hobbits im Kräutersud gesottenen Fisch, gebratene Täubchen oder Fasan. Wenn gerade keine Jagdsaison ist, kann hier auch eine leckere Eierspeise mit Pilzen gereicht werden.

Der Hauptgang besteht aus Braten. Immer! Es gibt Kaninchen oder Hase, Wildschwein und manchmal Rehbraten. Dazu werden gedünstete Gemüse, wie junge Schoten, verschiedene Sorten Kohl oder Wurzelgemüse und gekochte Töften serviert.

Der vierte Gang ist dann meistens eine gefüllte Pastete oder eine leckere Pilzpfanne mit Kräutern und zum Abschluss gibt es ein Dessert. Das kann mal ein Salat aus gemischten Früchten und Nüssen, mal eingekochte Früchte oder ein Kuchen sein. Wer es raffinierter mag kocht aus Milch und Sahne, etwas Stärke, Zucker und Zimt oder Fruchtmus und ein paar geheimen Zutaten, die in jeder Familie etwas abgewandelt werden, eine leichte und leckere Süßspeise, die wir Hobbits »Kudding« nennen.

Je nach Vorliebe werden ein leichtes Bier aus einer der vielen Auenländer Brauereien oder ein Wein getrunken. Besonders beliebt ist hier der Alte Wingert aus dem Südviertel oder auch Limaels Tröpfchen, wenn mal wieder eine Lieferung der Elben das Auenland erreicht.

Zum Abschluß darf ein gut gestopftes Pfeifchen mit Alter Tobi nicht fehlen.

Solcherart gestärkt halten wir auch die lange Zeit bis zur Vesper durch. Das ist nun die letzte Pause vor dem Feierabend und hierzu bevorzugen viele Hobbits eher süße Speisen, wie Kuchen und Törtchen oder weißes Brot mit Butter und verschiedenen Marmeladen. Es gibt aber auch einige, die Herzhaftes bevorzugen. Diese haben dann verschiedene Käsesorten, Weintrauben und Nüsse auf dem Teller. Getrunken wird entweder Tee, der vom ersten Frühstück bekannte Kaffee oder ein leichter Wein. Und die restlichen Arbeiten werden bei einem weiteren Pfeifchen verteilt.

Das Abendmahl findet oft gemeinsam mit Familie und Nachbarn im Wirtshaus statt. Hier hat man nun noch einmal Gelegenheit, die Neuigkeiten des Tages auszutauschen und den Geschichten aus Bree oder fernen Landen zu lauschen.

Das Abendmahl ist lange nicht so üppig, wie immer behauptet wird. Es gibt leichte Speisen, da das Tagwerk jetzt getan ist. Dazu gehören Pilzpfannen mit Kräutern oder Eiern, Pasteten und verschiedene Speisen aus Milch und frischen Beeren. Getrunken werden Wein und Bier.

Bevor sich die Hobbits zum Nachtmahl – welches daheim gegessen wird – und zur Nachtruhe aufmachen, lauschen sie gern noch eine Weile den Geschichten oder der Musik der verschiedenen Kapellen, die eigentlich immer in den Auenländer Wirtshäuern anzutreffen sind.

Das Nachtmahl ist einfach, ähnlich dem ersten Frühstück. Denn jetzt soll nur die Zeit bis zum Morgengrauen überbrückt werden und zu schweres Essen ist dem Schlummer abträglich.

Wie ihr sehen könnt, verteilen wir Hobbits die Mahlzeiten so, dass wir wieder Kraft für die nächsten Aufgaben bekommen uns aber eben nicht den Wanst bis zur Bewegungsunfähigkeit vollschlagen. Außerdem haben wir eine abwechslungsreiche Kost, deren Zutaten fast ausschließlich aus dem Auenland stammen. Etwas Gesünderes kann es gar nicht geben. Und jeder, der uns kennt, weiß auch dass Hobbits, die nicht so schwere körperliche Arbeit haben, wie die Bibliothekare in Bockenburg oder den Großsmials, gar nicht so viel essen, wie zum Beispiel der Knecht von Bauer Sandson.

Wenn also wieder einmal ein Großer (Dünner) zu euch sagt: »Du bist fett!«, dann sucht keine Entschuldigungen, sondern antwortet einfach: »Ich bin rund und gesund und Ihr seid groß und dumm!«

Eure Seburga

Aufgeschrieben von Sebylla Silberdistel für den Auenland Boten

4 Gedanken zu „Essen wie ein Hobbit …

  1. Da läuft einem ja das Wasser im Munde zusammen, beim Lesen! Toll geschrieben, Oma Seburga…nur auf die Erwähnung von ‚Fermi‘ hätte ich verzichten können! 😀

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