Winzige Pfote ermittelt – "…im Bann des Kuchenschrecks" Teil 2 (3)

Fipro Winzig heute – Nachbarschaftsermittler und Autor seiner eigenen Kolumne „Winzige Pfote ermittelt“

„Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich Dir den zweiten Teil meines allersten Falls als winzige Spürnase in spe vorstellen, den ich in guter Erinnerung als „Kuchenschreck“ bezeichnet habe oder sollte ich lieber sagen, ‚unseres‘ allersten Falls, denn ich erinnere mich noch gut daran, dass ich vor zwei Wochen gerade dabei gewesen bin, Dir zu schildern, wohin mich mein treuer Pfote führen wollte, als er die Spur des Mandelgeruchs aufgenommen hatte…

Es begab sich also, dass Pfote aus der Smialstür von Frau Zwilber hinaus auf die Straße in das Dorfinnere preschte und ich wirklich Mühe damit hatte, mit dem vorgelegten Tempo meines Hundes Schritt halten zu können.

Pfote bellte laut und hielt ab und an wenige Momente des Schnüffelns am Boden inne, um dann erneut davon zu stürmen, ich nahm fälschlicherweise an, dass er mir Gelegenheit dadurch geben wollte, zu ihm aufzuschließen und etwas Luft beim Gerenne schnappen zu können, aber heute weiß ich natürlich, dass er sich bei seinem Fährtenlesen ganz genau sicher sein und deshalb lieber nochmal genau die Geruchsspur aufnehmen wollte.

Nach einigen Biegungen und Wendungen im Straßenbild von Hafergut schlug Pfote einen schmalen Zulaufweg zu einem Grundstück ein, das am nordöstlichen Rand unseres Dorfes lag und der Familie Schuber gehörte.

Pfotes Schwanz wedelte aufgeregt hin und her und er bellte einmal laut auf, als er direkt vor der Smialstür der Familie Schuber stehen blieb und mir offensichtlich zu verstehen geben wollte, dass der Mandelgeruch sich dort im Inneren befand.

Ich streichelte meinem Hund den Kopf und fragte ihn, ob er sich auch sicher war, dass wir hier vor dem richtigen Smial standen. Pfote bellte daraufhin nur aufgeregt und da hörte ich auch schon, wie die Smialstür von innen entriegelt und im nächsten Augenblick einen Spalt breit weit geöffnet wurde.

Carl Schuber, ein mittelgroßer Hobbit in den Vierzigern, der sich ein paar Straßen weiter als Schuster verdingte, lugte etwas misstrauisch hervor. Als er uns beide dann vor seinem Smial stehen sah, öffnete er leicht irritiert die Tür und sprach:

Carl Schuber: „Was zur Sense hat dieser Unfug hier zu bedeuten Fipro? Warum bellt dein Hund vor meinem Smial so laut?“

Fipro Winzig: „Guten Tag Herr Schuber, verzeihen Sie bitte diese Störung, aber mein Pfote und ich waren gerade dabei, eine Spur hierher zu verfolgen.“

Carl Schuber: „So, habt ihr das. Und worum geht es dabei, wenn ich Dich fragen darf?“

Fipro Winzig: „Eine zweistöckige Mandelcreme-Torte, eher gesagt eine Marzipantorte, wurde einer Hobbit in der Nachbarschaft direkt von Ihrem offen stehenden Fenstersims gestohlen und Pfote hat sogleich in Ihrer Küche die Mandel-Witterung aufgenommen. Sein Geruchssinn hat uns durch Hafergut zu Ihnen, bis an Ihre Smialstür, geführt.“

Nun trat Carl Schuber leicht angesäuert aus seinem Smial heraus zu uns in den Vorgarten des Grundstücks, verschränkte seine Arme vor seiner Brust und fragte mich dann leicht genervt:

Carl Schuber: „Ach, hat er das ja? Und was willst Du winziger Bengel mir jetzt damit sagen? Beschuldigst Du mich etwa des Kuchendiebstahls?“

Fipro Winzig:Ich beschuldige noch gar niemanden, Herr Schuber. Aber Ihre Reaktion verwundert mich nun doch schon ein wenig. Wenn Sie nichts zu verbergen haben, dann könnte Pfote doch einmal seiner Spur nachgehen und alles wird sich aufklären?“

Carl Schuber kratzte sich leicht verlegen am Kopf und sagte dann etwas ruhiger:

Carl Schuber: „Wartet hier einen Augenblick, ich schaue nur schnell, ob auch alles sauber ist, damit ich mich nicht schämen muss, wenn ich Dich und Deinen Hund gleich in mein Smial lasse.“

So warteten Pfote und ich einige Augenblicke vor der verschlossenen Smialstür und diese ganze Situation kam mir nun doch höchst seltsam vor.

Pfote war unterdessen ein paar Meter weiter links von der Tür hingelaufen und blickte von dort aus seitlich am Haus vorbei in den dahinterliegenden Garten des Grundstücks, den ich aber von vorne nicht einsehen konnte.

Ein schmaler, beflasterter Seitengang, der direkt am Smial entlang führte, schlängelte sich in den Garten hinter dem Haus, aber wir konnten jetzt nicht einfach mir nichts Dir nichts das Grundstück der Schubers betreten, waren wir doch gerade vom Hausherrn gebeten worden, hier vor dem Smial zu warten. Das taten wir dann auch, obwohl Pfote aufgeregt am Anfang dieses schmalen Seitengangs stand und aufmerksam in Richtung des Gartens schaute. Sein Schwanz wedelte erneut nervös und angespannt hin und her.

Dann öffnete sich die Smialstür erneut und Carl Schuber schien plötzlich wie ausgewechselt zu sein, freundlich und zuvorkommend bat er Pfote und mich in das Smial der Familie Schuber hinein. Im Flur sprach ich zu ihm:

Fipro Winzig: „Darf ich Pfote einmal das Zeichen geben, dass er sich hier umschnüffeln darf?“

Carl Schuber: „Aber natürlich Fipro, alles was du willst. Lass Deinen kleinen Freund hier nur die Fährte aufnehmen.“

Fipro Winzig: „Such Pfote, such….“

Pfote: „Wuff.“

Carl Schuber: „Mir ist schon klar, wohin Ihn seine Spürnase führen wird.“

Etwas verwundert ob dieser Aussage blickten wir Hobbits Pfote nach, der sich durch den Flur des Hauses in die hinteren Räume schnüffelte und schließlich außer Sichtweite war.

Und dann bellte er laut auf.

Fipro Winzig: „Ich habe doch gesagt, er findet eine Spur.“

Carl Schuber: „Ohja, jetzt habt ihr mich wohl tatsächlich erwischt.“

Lachend schritt Carl Schuber durch den Flur in dieselbe Richtung, wo Pfote zuvor verschwunden war. Mit einem fragenden Gesichtsausdruck folgte ich Herrn Schuber und nach wenigen Augenblicken standen wir gemeinsam in der Küche des Smials, was ich dort sah, konnte ich nicht glauben:

Pfote schnüffelte an den klebrigen Resten einer nach Tortenglasur aussehenden Pfütze, die vermutlich von einer der Arbeitsplatten auf den Boden darunter gekleckert war.

Allem Anschein nach handelte es sich tatsächlich um eine Mandelglasur oder eben um Marzipan. Ich wollte schon eine Frage stellen, als Carl Schuber von sich aus anfing, etwas zu dieser Beobachtung zu sagen:

Carl Schuber: „Da hat die winzige Spürnase mich also tatsächlich überführt und beim Marzipantorte backen erwischt. Das müssen wir unbedingt den ansässigen Grenzern melden, meinst Du nicht? Schließlich ist es ja in Hafergut verboten, in seiner eigenen Küche Marzipantorte zu backen, nicht wahr?“

Grinsend blickte mich Carl Schuber an und ich stammelte nur:

Fipro Winzig: „Was wollt Ihr mir damit sagen?“

Carl Schuber: „Ich will Dir damit sagen, dass Dein Pfote und Du mich beim Tortebacken gestört habt und dass auch ich eine Marzipantorte für das anstehende Bürgermeisterfest kreeiren will, schließlich kann es nur einen ersten Platz im Kuchenwettbewerb von Hafergut geben! Was denkst Du denn?“

Fipro Winzig: „Das Bürgermeisterfest in zwei Wochen? Das habe ich heute schon mal gehört…“

Carl Schuber: „Das ist ja auch kein Wunder Fipro, die Hobbybäcker von Hafergut führen doch nun schon seit Jahren einen offenen Wettstreit im Dorf darüber, wer hier von allen am besten Torte backen kann, die letzten Male habe ich den ersten Platz immer knapp verpasst, deshalb übe ich hier ja auch fleißig, um alle anderen dieses Jahr im Backen übertreffen zu können. Und das ist auch nicht verboten.“

Fipro Winzig: „Das mag richtig sein Herr Schuber. Allerdings hat sich die betroffene Hobbit den Diebstahl Ihrer Marzipantorte nicht ausgedacht, jedenfalls glaube ich das nicht. Und Ihr habt Euch soebend ein eigenes Tatmotiv gegeben, wenn ich das so sagen darf.“

Nun wurde Herr Schuber etwas ungehalten und wedelte wild mit seinen Armen in der Luft umher, um Pfote und mir wohl zu signalisieren, dass wir nun offensichtlich sein Smial verlassen sollten.

Carl Schuber: „Wie sprichst Du überhaupt Fipro, Du bist weder jährig noch ein Grenzer, ich habe Dich aus purer Freundlichkeit in mein Haus gelassen und jetzt verbreitest Du wieder nichts als Flausen und Dummheiten. Geh draußen spielen und lass mich hier in Ruhe backen.“

Tja, so wurden Pfote und ich dann zurück in den Flur des Smials gedrängt und ich hatte eigentlich schon mit diesem Fall innerlich abgeschlossen und die Lust daran verloren, als mich dann bei der Verabschiedung von Herr Schuber doch noch etwas hellhörig aufhorchen ließ.

Pfote und ich standen schon wieder draußen vor dem Smial der Schubers im Vorgarten, als Herr Schuber die Haustür von innen langsam zuzog, nicht ohne uns noch vorher einen Abschiedsgruß auszusprechen:

Carl Schuber: „Nichts für ungut Fipro, bring Deinem Pfote lieber anständige Sachen bei, als unbescholtene Nachbarn hier beim Backen zu stören. Und schöne Grüße an die werte Frau Zwilber, ich hoffe doch für Sie, dass sich Ihre Torte wiederfinden wird.“

Mit einem bitteren Lachen verschloss Carl Schuber dann von innen die Smialstür.

Verwundert stand ich plötzlich vor der verschlossenen Smialstür und schaute hinunter zu meinem Pfote. Gedanklich ging ich noch einmal genau das durch, was ich vorhin zu Herrn Schuber alles gesagt hatte und an Pfote gewandt stellte ich dabei Folgendes fest:

Fipro Winzig: „Pfote, denkst Du auch gerade das, was ich denke?“

Pfote: „Wuff.“

Fipro Winzig: „Ich habe Herrn Schuber vorhin doch überhaupt nicht erzählt gehabt, dass es sich bei der Hobbit, deren Torte gestohlen worden ist, um Frau Zwilber gehandelt hat.“

Pfote: „Wuff.“

Fipro Winzig: „Das kann nur eines bedeuten Pfote.“

Pfote:Wuff.

Fipro Winzig: „Herr Schuber muss etwas über das Verschwinden der Marzipantorte von Frau Zwilber wissen und hat uns beiden definitiv nicht alles gesagt, was er vorgab, über diesen Diebstahl zu wissen.“

Pfote:Wuff.

Nervös drehte sich Pfote wieder in die Richtung des schmalen Seitengangs, der in den Garten führte.

Fipro Winzig: „Nagut Pfote, aber wir müssen wirklich ganz vorsichtig sein, dass wir beide nicht dabei erwischt werden.“

Ich duckte mich etwas, um nicht mit meinem Kopf auf der Höhe der schmalen Fenster des Smials zu sein, die teilweise weit geöffnet waren. Schließlich durfte ich nicht von Herr Schuber entdeckt werden.

Auch Pfote tat es mir gleich und machte sich etwas kleiner, obwohl dies natürlich nicht unbedingt nötig war, auch stellte er sein Hecheln ein, so, als wenn er wüsste, dass wir ganz leise und unauffällig sein mussten.

Fipro Winzig: „Such Pfote, such.“

Flüsterte ich meinem Pfote leise entgegen und langsamen Schrittes erschnüffelten wir uns gemeinsam den Weg über den Seitengang, direkt am Smial der Schubers vorbei.

Pfotes gute Nase führte uns direkt in den Garten hinter das Haus, genauer gesagt an die Rückseite des Hauses. Vorsichtig schlichen wir ruhig und unauffällig auf die andere Seite des Smials. Pfotes Geruchssinn ließ uns hier vor einem kleinen Handkarren Halt machen, der mit einem grauen Laken bedeckt worden war.

Fipro Winzig: „Was hast Du Pfote?“

Pfote: „Wuff.“

Fipro Winzig: „Du meinst doch nicht etwa?“

Pfote: „Wuff.“

Fipro Winzig: „Also gut, dann wollen wir uns diesen Handkarren einmal genauer ansehen Pfote. Die frischen Radspuren in der Erde zeigen mir, dass dieser Karren hier erst vor kurzem bewegt worden ist. Sehr verdächtig, wenn Du mich fragst.“

Erwartungsvoll berührte ich das graue Laken am unteren Rand und war drauf und dran, dieses zurückzuziehen, als plötzlich…

Tja, an dieser Stelle werde ich für heute einmal Schluss machen, gemein oder? Wie es mit …im Bann des Kuchenschrecks Teil 3 weitergeht, erfährst Du in der nächsten Ausgabe vom Aubi am 15.02.20.

Spürnase winzige Pfote heute – vor ihrem Nachbarschaftsermittlerbüro: „Winzige Pfote“ in Hafergut, Evendim

Bis dahin wünsche ich Dir alles Gute und bleib sauber!“

Fipro Winzig für den Auenland Boten

10 Gedanken zu „Winzige Pfote ermittelt – "…im Bann des Kuchenschrecks" Teil 2 (3)

  1. Oh, da wird Fipro sich sehr freuen, wenn ich ihm mitteile, was für tolle Kommentare er für seine Reihe bekommen hat.
    Ja, die winzige Spürnase mag es gerne spannend.

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  2. Die Geschichte verläuft ja wie eine Zeichnung: vor zwei Wochen wurde der Hintergrund angelegt und nun der Mittelgrund gezeichnet. Mal schauen, ob wir dann in der nächsten Ausgabe den Vordergrund bestaunen dürfen und ob, die Nahaufnahme dann die verschwundene Torte zeigt. Spannende Geschichte und hungrig macht sie auch noch obendrein. Sehr schön koloriert.

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    1. Oh, das wird Fipro sehr freuen lieber Waido, ein sehr schönes Kommentar von dir, da wird er gleich rot anlaufen, wie ich ihn kenne. Danke dir!

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