Musikalischer Stammtisch im Efeubusch

Hobbingen. Bekanntlich findet jeden Merstag in den Abendstunden der Stammtisch zum Efeubusch statt, bei dem sich Bewohner aus Hobbigen und dem Südviertel in geselliger Runde treffen, um den neuesten Klatsch auszutauschen und das leckere Essen von Millaray und Bango zu probieren. Ich war letztens auch wieder im Efeubusch. Hier wollte ich erfahren, ob bei dem ganzen Klatsch und Tratsch auch etwas Verwertbares für unsere Zeitung dabei ist und natürlich auch des Essens wegen. Das die Harfenschlags an diesem Abend im Efeubusch musizieren wollten, war dann sozusagen das Sahnehäubchen.

Ich traf pünktlich zur achten Abendstunde, zusammen mit Fräulein Numalie Harfenschlag im Gasthaus ein. Hier waren schon einige Besucher und auch die meisten Musiker versammelt.

Zu den bereits Anwesenden, die ich dann auch sogleich begrüßte, gehörten Herr Benadic, der kurz zuvor von einem der vielen Feste eingetroffen war und noch sein Kürbiskostüm trug, Frau Mairad Birnhaag in einem schicken roten Herbstkleid und unser rasender Reporter Beuno mit seiner unvermeidlichen Zwipfelmütze. Herr Gerstfeld war fürsorglich um das Wohl seiner Gäste bemüht und lief emsig zwischen uns hin und her, um Bestellungen aufzunehmen und Getränke und Essen zu servieren.

Kurz bevor Grenzerin Tulpeline Schweinepfote eintraf, fielen mir zwei neue Gesichter im Efeubusch auf. Die Familie Narmaciel, also Herr Lennander und Frau Lourdin, beehrten den Efeubusch ebenfalls mit ihrem Besuch. Die beiden Langen, die eigentlich aus Bree stammen, haben vor Kurzem ein Wochenendhaus im Südviertel erworben, wohin sie sich so oft es geht aus dem lauten und hektischen Bree zurückziehen. Wohl auch, damit ihr Töchterchen in der schönen auenländischen Natur aufwächst.

Nachdem nun alle ausgiebig begrüßt und von Bango auch mit gut gefüllten Humpen und Bechern versorgt waren, sollte der musikalische Teil beginnen. Beuno wartete schon gespannt auf den Beginn des Konzerts.

Während am Tresen noch folgende Unterhaltung stattfand, die – wie ich betonen möchte – nur auf Grund übler Gerüchte, ich würde die Pfannen auch zu anderen Zwecken, als zum Braten verwenden, zustande kam.

Tulpeline: »Zu Seby muss man heute besonders lieb sein.«
Bango: »Oh, warum?«
Tulpeline: »Sie hat zwei Bratpfannen griffbereit.«
Mairad (mit vollem Mund): »Schu Scheby musch man immer lieb schein.«
Bango: »hihi«
Sebylla: »Öh? … Wieso?«
Mairad: »Weil dasch eine scher liebe Perschon isch.«
Tulpeline: »War doch nur ein kleiner Scherz Seby, hihi«
Sebylla: »Die sind doch nur für den Fall, dass der Timm Sandigmann hier auftaucht und frech wird.«
Tulpeline: »Ah, sehr weise!«

Hier nun kam Bango mit den Krügen voller Bier, die Frau Mairad für uns alle bestellt hatte.

Mairad: »Auf die Harfis!«
Sebylla: »Auf die Harfis!«
Tulpeline: »Danke für das Bier.«
Bango: »Harfis juhe!«
Mairad: »Gern, muss doch die Gelegenheit nutzen, weil Du nicht im Dienst bist.«
Sebylla: »Und auf die edle Spenderin!«
Mairad: »Auf Byllas Bratpfanne!«
Bango: »Oh!«
Mairad: »Das ist die Legendäre Bratpfanne mit dem Namen Gerüchtebeender.«

Um weitere Irritationen zu vermeiden, hab ich die Pfannen dann bei Bango deponiert, was auch deswegen gut war, weil das Klappern beim Tanzen bestimmt die Musikanten gestört hätte.

Doch nun ging es los. Die Harfenschlags legten mit ›Reihermann‹ (Rhayader), einem alten Lied von der Hobbitwanderung, ›Herumtreiber‹ (Rambling man) und ›Ich will rund sein!‹ (I’ll be around) einen fulminanten Start hin, der die meisten Besucher zum Tanzen animierte.

Und bevor wir überhaupt Luft holen konnten, ging es mit so bekannten und beliebten Stücken, wie ›Morgens in Waldhof‹ (Morning has broken) ›Swingende Sultaninen‹ (Sultans of swing) und ›Der alte Weidenmann‹ (Ausserirdische) weiter. Nach der Anstrengung musste ich mich erst mit einem Nadelhohler Eintopf stärken. Unterdessen war auch das Fräulein Pastinaka eingetroffen und wurde von allen begrüßt.

Während die Harfis fröhlich weiter musizierten und solche bekannten Ohrwürmer, wie ›Grünärmel‹ (Greensleeves), ›Lilie aus dem Bruch‹ (Lily of the west), ›Meine Hobbytla‹ (My Girl) und andere, spielten, traf Herr Blundo im Efeubusch ein. Bango kümmerte sich unterdessen auch um die stillen Gäste auf den hinteren Plätzen.

Es waren auch noch andere ›Lange‹ zu Gast, die ich aber nicht kannte. Sie wurden bestimmt durch das Konzert der Harfenschlags angelockt, denn auch sie schwangen vereinzelt das Tanzbein.

Gerade als Alegrio das Bogülied sang musste Mairad aufbrechen. Sie hatte wohl noch einen Termin beim Bürgermeister in Michelbinge. Deshalb war sie auch so fein gemacht im Efeubusch erschienen. Zum Abschied übergab sie Beuno einen Beutel mit Kupferlingen und den Auftrag, damit den Durst der Musikanten zu stillen. Das aber hätte beinahe zu einem abrupten Ende des Konzerts geführt. Beuno hatte nämlich sogleich die Bestellung an Bango weitergegeben und diesem die Geldkatze zugeworfen. Bango wollte seine Sache nun besonders gut machen und brachte sogleich die Getränke: schäumendes Distelbräu, warmer Met und Starkbier aus Stock.

Nur mit einiger Mühe konnten wir ihn davon überzeugen, dass die Öffnungen von Horn, Klarinette und den anderen Tuten keine Einfüllstutzen für Getränke sind. Das hätte bestimmt ein böses Ende genommen, wenn er den heißen Met ins Horn gekippt hätte. So aber sind die Harfis vor Schaden bewahrt worden und konnten ungestört weiterspielen. Das taten sie dann auch und erfreuten und mit weiteren Immergrüns, wie ›Am Haag‹ (On the border), ›Nadelhohler Eintopf‹ (Die Blume aus dem Gemeindebau) und einem Lied, in dem eine Dame besungen wurde…

Hier gab es wilde Spekulationen, wen Alegrio meinen könnte. Die Vermutungen reichten von Yome (der Name hätte gut zur Melodie gepasst) bis zu Pastinaka (einige wollen ein Leuchten in ihren Augen gesehen haben, als sie Alegrio ansah). Schließlich einigte man sich darauf, dass Alegrio ein eingefleischter Junggeselle sei und alles wohl nur der Kunst dient. Da nun auch Fräulein Millaray eingetroffen war und von allen herzlich begrüßt wurde, schliefen die Gerüchte zunächst ein.

Die anderen Musiker der Familie Harfenschlag ließen sich von derlei Geschwätz nicht aus der Ruhe bringen und erfreuten die anwesenden Gasthausbesucher mit weiteren Liedern aus dem Auenland. Darunter waren auch die immer wieder gern gehörten Stücke ›Für immer Herbst‹ (Forever autumn) und ›Wir Hobbits‹ (Bolle). Als sie ihren letzten Ohrwurm beendet hatten, forderten die Zuhörer lautstark eine Zugabe ein, die auch gerne gewährt wurde.

Alegrio und Pastinaka ließen unterdessen kaum eine Gelegenheit aus, um die Gerüchte wieder anzuheizen.

Pastinaka (lächelnd): »Dann trinken wir noch einen Wein, oder?«
Alegrio (auch lächelnd): »Ja gerne
Pastinaka: »Hmm wo ist Bango? Oder fragen wir Milla?«
Alegrio (zu Pastinaka flüsternd): »Seby denkt sich ihren Teil, hihi«
Pastinaka: »Milla?!«
Alegrio: »Ein Glas Wein, bitte.«
Millaray: »Bringe ich!«
Alegrio: »Und für die liebe Pastinaka auch.«
Pastinaka (flüsternd und Alegrio angrinsend): »Darf sie gerne oder?«
Pastinaka: »Oh, hallo Sebylla
Sebylla: »Hihi, ich lass euch mal alleine und geh noch ein paar Munkeleien schreiben …«
Alegrio: »Bis bald Seby und immer schön munkeln«

Aber das ist eine Geschichte, die Aubi recherchieren darf. Für mich ging nun ein schöner Abend zu Ende.

Sebylla Silberdistel für den Auenland Boten

5 Gedanken zu „Musikalischer Stammtisch im Efeubusch

    1. Hihi, Mairad. 🙂 Du hast mir doch beigebracht, dass ein guter Zeitungsschreiberling seine Augen und Ohren überall haben muss, weil auch Kleinigkeiten wichtig sein können.

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