St. Martinoc- Umzug

Wenn das Jahr sich dem Ende neigt und die Tage kürzer werden, kommt die Zeit der Lichterfeste. So auch der Tag des St. Martinoc. Die Laternen werden geputzt, denn der traditionelle Umzug steht an.

So putzte auch ich meine Laterne mit Eifer und freute mich auf diesen schönen Brauch. Als ich jedoch versuchte einen neuen Docht einzuziehen, rutschte mir das gute Stück aus der Hand und zerbrach beim Sturz auf den Boden. Was sollte ich als Ersatz benutzen, vielleicht den Feuergrimmigen, der im Kamin meines Smials sein Dasein fristet? Nein, ich entschied mich für das schöne Glühwürmchen, das in meinem Garten von Strauch zu Strauch hüpft und am Abend ein leuchtendes Grün über mein Anwesen wirft.

Ich kam etwas abgehetzt beim Treffpunkt, dem Stall in Michelbinge, an, denn der Überraschungsempfang für unseren lieben Beuno, der ja bekannterweise am Martinocstag seinen Geburtstag feiert, war sehr ausgiebig begangen worden. Doch es waren noch nicht alle Teilnehmer eingetroffen, ich konnte in Ruhe die Freunde begrüßen.

Nach und nach trafen Bango, Kelko, Samolin, Tulpeline, Irmeline, Pastinaka, Millaray, Brigga, Azaline, Werro, Skaldiv, Sebylla und auch das Geburtstagskind Beuno am Treffpunkt ein. Hoffentlich habe ich niemanden vergessen.

Herr Sundo, der die Führung des Umzuges übernommen hatte, machte uns auf die Probleme aufmerksam, die beim gehen ohne Schuhe in Bree auftreten können und hielt einen Schlurf- Blitzkurs ab. Da ich mich oft in Bree aufhalte, wusste ich, was uns erwartet und machte mir keine großen Sorgen.

Nachdem alle in die Kunst des Schlurfens eingeweiht waren, bestiegen wir jeder ein Pony und los ging der Ritt zum Westtor von Bree.
Hier begann Sundo mit seinem Vortrag über die Geheimnisse des St. Martinoc.

Sundo: „Guten Abend ich bin heute der Martinoc. Also ich der Martinoc bin hier in der Gegend um Stadel ein Lokalheiliger. Ich habe immer jeden Abend die letzten Besucher aus dem Auenlande eingesammelt. Und diese dann sicher nach Stadel oder ins Gasthaus gebracht.“
Er fuhr fort:
„Also der Martinoc hat jeden Abend die angekommenen abgeholt bei jedem Wind und Wetter. Es gab aber mal ein Jahr in dem das nicht klappte weil er eine schwere Erkrankung hatte. Das waren wohl zwei Abende in denen sich hier die Hobbits stapelten am Tor. Diese Tage sind in die Stadeler Geschichte als die Tage des Wartens bekannt. Er hat also hier gewartet und als Erkennungszeichen hat er immer einen Roten Umhang getragen. Und dass keiner verloren geht, eine Laterne. Die hab ich auch dabei. Dann gehen wir mal los, ich mache an manchen Orten Station und erzähl immer nochmal was.“

Sundo erzählte dann noch etwas über diesen mysteriösen „Tronald Dump“, doch der wurde ja von den „Beiden“ abgewählt, so dass dies von minderer Bedeutung ist.

Wir gingen also los, bogen aber sogleich ab in Richtung Breeberg. Dort erzählte Sundo von einem früher hier befindlichen Brunnen aus dem Hilferufe eines Hobbitkindes zu hören gewesen waren und das durch die Eingebung Martinocs gerettet wurde.

Als wir dann über den Platz am Tänzelnden Pony gingen, schallte uns Musik entgegen. Die Kapellen Caput Draconis und Guldene Tucs spielten auf. Der Umzug jedoch ging vor den Eingang des „Pony“ und Sundo erzählte weiter:

„So, das Tänzelnde Pony… früher hieß es nur Pony. Damals war es auch noch ein angesehenes, ruhiges Gasthaus. Man konnte beruhigt dort absteigen und so hat Martinoc Gäste hier untergebracht, die kein Verwandten in Stadel hatten. Leider hat es in den letzten Jahren trotz der Bemühungen des Herrn Butterblume stark nachgelassen. Was aber wohl am Gesindel der Stadt liegt, nicht am Herrn Butterblume.“

Weiter ging es zum Keilerbrunnen, wo Sundo von der großen Hungersnot erzählte, als die Breemenschen die Eichelmast der von Stadel überfielen und die Keiler raubten.

Seitdem liefern die Stadeler Hobbits ihre Waren nicht mehr nach Bree und verkaufen ihr Gemüse nur noch in Stadel.

Es war wirklich sehr informativ und auch ich lernte während des Umzugs sehr viel über die Geschichte von Bree und St. Martinoc. Und so ging es Station für Station weiter, bis wir, durch den langen Marsch und die schier unerschöpflichen Informationen einigermaßen geschafft in Stadel ankamen. Besonders die steile Stadeler Straße hatte uns zu schaffen gemacht.

Wir waren froh, angekommen zu sein.

Zum Ende erklärte uns Sundo noch die Verhältnisse in Stadel: “Hier ist Schluss mit dem Einfluss der Menschen. Ab hier wohnen nur noch Hobbits in Stadel. Da vorne stehen noch Wachtmeister, dann weiter hier hinten sind es die Hobbitschen Bannwarte. Offiziell haben die Hobbits hier nicht mehr Rechte als die Menschen, aber wenn kein Mensch hier rumläuft …. Also sagen wir es so: Die Stadeler Hobbits halten zusammen. Und zur Not beschweren sich 30 Familien über einen Menschen, der wird dann verhaftet… Wie ich mal erwähnte will jeder der hier in Stadel wohnt Martinoc als Vorfahr haben. Weil keiner mehr weiß wie der Martinoc mit Nachnamen hieß. Die Baumstumpfens haben ein altes Taschentuch mit einem M als Monogramm….“

Danach führte uns Sundo noch zu einem einzeln stehenden Smial: „Aber ich zeige euch was“, sagte er, „da oben, da steht Martinoc und Thymiane. Eingeritzt in einen sehr alten Balken.“

Und wirklich, man konnte die Namen noch erkennen, obwohl sie schon vor sehr langer Zeit eingeritzt worden sind.

Dies war ein schöner romantischer Abschluss des diesjährigen St. Martinoc-Umzugs, der sehr viel Spaß und Information vermittelt hatte. Alle dankten Sundo für seine Mühen und traten den langen Heimweg ins Auenland an.
Auch ich hatte viel zum Nachdenken während der Heimreise und beschloss, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein, beim St. Martinoc-Umzug….dann aber mit einer neuen Laterne.

Alegrio Harfenschlag für den Auenland Boten

3 Gedanken zu „St. Martinoc- Umzug

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